Die Ausstellung Aufbau Ost ist die erste Berliner Soloausstellung der in Sachsen geborenen und in Berlin lebenden Henrike Naumann. Sie widmet sich der Frage nach der Integration von Ost- und Westdeutschland und erforscht die Spuren der sozialen, politischen und auch ökonomischen Transformation der DDR. »Post-Otherness« kann in diesem Zusammenhang als Post-Ost- und Post-Westdeutsch gesehen werden. Die Ausstellung wird dabei zu einem sozialkünstlerischen Labor, wo Naumann zahlreiche ihrer Arbeiten (Video, Installationen), die sich mit extremen Jugendkulturen in Deutschland beschäftigen, zeigen wird. Naumann untersucht das komplexe Feld der rassistisch-neofaschistischen Alltagskulturen in Sachsen, die sich in einem Klima aus Egoismus, Ausgrenzung und Hass ausdrücken, sowie die ebenso radikalen Gegenkulturen. Ziel ist es da­bei nicht eine versöhnliche oder verständnisvolle Ausstellung zu präsentieren, sondern den Fokus auf pro-aktive Initiativen und Stimmen zu legen. »Damit sich in der Zukunft vielleicht ein anderes Deutschland wieder neu zusammensetzen lässt, zeigt die Ausstellung das Bild der Zersplitterung des Landes.«, so Henrike Naumann. »Objekte stehen im Zentrum meiner künstlerischen Auseinandersetzung. Sie sind Träger und Ausdruck von Ideologie und Tat.«



Für die Ausstellung Aufbau Ost verwandelt sich der Ausstellungsraum der Galerie Wedding in ein vollgestelltes Jugendzimmer. Gefüllt mit dem ausrangierten Mobiliar diverser postsozialistischer Kindheiten, entsteht ein Parcours, welcher ein Aufwachsen in den 90er Jahren in Ostdeutschland erfahrbar macht. Eingebettet in die Zimmereinrichtungen finden sich die in den letzten drei Jahren entstandenen Video-, Sound- und Installationsarbeiten. Sowohl individuelle BesucherInnen, als auch Kleingruppen können sich durch den Raum bewegen, um die verschiedenen Arbeiten anzusehen und anzuhören. Vermittels der Kombination aus Kunstwerken und Mobiliar haben die BesucherInnen außerdem die Möglichkeit in die Rezeptionssituation einzugreifen und diese individuell an ihre Bedürfnisse anzupassen. Der Kunstraum wird auf diese Weise zu einem interaktiven Diskursraum, in dem Diskussionssituationen direkt und unmittelbar am Werk geschaffen werden können. Dies wird verstärkt durch die Nutzung der Räumlichkeiten für verschiedene Begleitveranstaltungen. Konzerte, Vorträge, Diskussionen und Workshops geben der Ausstellung ihren diskursiven Rahmen und öffnen sie für den Dialog mit dem Publikum. So handelt »Post-Otherness« auch von der neueren Geschichte Deutschlands und den menschlichen Figuren, die aus der Ost- Westdeutschen Geschichte entstehen.



Henrike Naumann
Aufbau Ost
01.04.-14.05.2016
Opening 31.03.2016
Tagung 'Acid Einheit' 30.04.2016



Galerie Wedding
Müllerstr. 146/147
13353 Berlin



Die Galerie Wedding – Raum für zeitgenössische Kunst ist eine städtische Galerie in Berlin Mitte. Sie befindet sich inmitten eines urban und multikulturell geprägten Stadtteils in einem historischen Gebäude des Expressionismus. Wie schon das Bauwerk Teil eines utopischen Gesellschaftsentwurfs war, folgt die Galerie Wedding dem Anspruch, ein Ort für zeitgenössische künstlerische Ausdrucksformen und zukunftsweisende gesellschaftspolitische Modelle zu sein. Die Kuratoren Bonaventure Soh Bejeng Ndikung und Solvej Helweg Ovesen übernehmen auch im Jahr 2016 die künstlerische Leitung für das Ausstellungsprogramm POW (Post-Otherness-Wedding), mit Einzelausstellungen und Begleitveranstaltungen in Berlin lebender Künstlerinnen und Künstlern.

Mit freundlicher Unterstützung der Kulturverwaltung des Landes Berlin







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