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mit ungebrochenem ehrgeiz im dienste der fleisch- und wurstindustrie

es war die proberaumeinweiheparty von stormtroopers of light auf der wilkauer bastei. jemand fragte mich “hey du, kannst du mal kurz meine sachen halten?” – “klar”. und schon stand ich da mit zeugs im arm. ich dachte, “kurz” heißt schnürsenkelzubinden oder taschentuchrauskramen. nicht in die hand drücken und verschwinden. ich hab mich anderthalbminuten lang unsagbar geärgert bis dann die feuershow losging. deine show. so hab ich dich kennengelernt. schon damals als künstlerin und als überraschenden menschen. eine einnehmende, offene, herzliche person, in der immer etwas mehr drinsteckte, als auf den ersten blick erkennbar. für die man gern was hält und von der man auf so vielen ebenen mehr zurückbekommt, als man hätte glauben mögen.

ich hab mich so wohl gefühlt, wenn du in der nähe warst. gute laune und tiefe gedanken waren bei dir kein widerspruch, kein spannungsfeld, sondern immer irgendwie gleichzeitig am start. ich habe natürlich in all den jahren auch deine krisen und deinen struggle als künstlerin gesehen und mitgefühlt. mir klingelt noch der satz aus deiner dresdner studienzeit in den ohren “ich muss entscheiden, ob ich mir ein brot kaufe oder die pille”. ich musste immerhin nur brot kaufen. wir waren zusammen in regensburg bei yana auf retreat um unsere studienarbeiten zu schreiben, wir haben in dresden auf dem flohmarkt in altem nippes unsere kindheitserinnerungen wiedergefunden, wir haben in burkersdorf über spongebobs queerness philosophiert, du hast bei mir und karola in leipzig das canastafieber geweckt. und mich immer wieder auf den böttgerberg mitgenommen. es war eine schöne zeit und es war immer ein so tiefes gefühl von freundschaft und geborgenheit im raum, wenn du da warst.

als die nachricht von deinem tod kam, habe ich mit einigen menschen gesprochen, die zu unser beider freundeskreis zählen und – völlig unüberraschend – es ging offenbar nicht nur mir so. du hast einen so tiefen und doch sanften abdruck in unseren herzen hinterlassen, der uns immer bleibt und von dem wir unser leben lang zehren werden.

wenn ich in meiner küche stehe, dann blicke ich auf einen brief von dir. getippt mit einer schreibmaschine auf originalbriefpapier des VEB schlacht- und verarbeitungsbetriebs dresden – betrieb des VEB dresdner fleischkombinat. ein nonsensbrief voller insiderwitze. und auch ein schaufenster in das, was kommen sollte: dein gespür für die unaufgearbeiteten themen unserer ostdeutschen lebenswelt. dein beitrag, mit witz und gewitztheit diese aufarbeitung anzugehen. in vollem ernst anzugehen! skurilität und unorthodoxe perspektiven als schlüssel zu schmerzhaften, unbequemen themen. ich habe die akribie bewundert, mit der du für deine diplomarbeit das jugendzimmer beate zschäpes erforscht und rekonstruiert hast. die detailverliebtheit, die einen schon beim zuschauen aus der ferne wieder auf zeitreisen geschickt hat. ich sag nur: rolfsschanze!

ich durfte deine arbeit gegenlesen und habe das erste (aber nicht letzte) mal neben all der wärme und den humor auch die großartigkeit deiner künstlerischen seite erfahren. dass du in den folgenden jahren zur international gefeierten instalationskünstlerin wurdest, war kein selbstläufer, aber auch keine überraschung mehr.

es sind jahre ins land gegangen, in denen wir uns nur sporadisch gesehen haben. wir haben unsere leben aufgebaut. in verschiedenen städten, verschiedenen kreisen, verschiedenen gewerken. unsere jugend wird von jahr zu jahr mehr objekt nostalgischen rückblicks. aber unsere freundschaft, die ist geblieben. die momente des wiedersehens – du in leipzig auf lesung oder in zwickau bei der premiere zu swan, ich in berlin bei deiner ausstellung – waren so herzlich wie immer. ein verständnis, das keine worte brauchte. nun bist du nicht mehr auf dieser welt, aber du bist noch immer da. in meinem herzen, in deiner kunst, in den erinnerungen all der menschen, die dich kennenlernen durften.

alles liebe! dein MR