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14 Words

Museum für Moderne Kunst
MMK Tower
Frankfurt/Main, 2018

Neonlicht und eine kühle, fast einheitlich mintfarbene Ausstattung geben der Installation 14 Words eine gespenstische Härte. Die weißen und schwarzen Keramiken und Metallobjekte treten an die Stelle von Blumen und Gebinden, von der Betriebsamkeit bleiben nur Schmutzrückstände auf den Regalen zurück. Das ehemalige Blumengeschäft aus Neugersdorf, einem Ort in Sachsen, wird in 14 Words zum Dekor für die Verschränkung von Gestaltung und Ideologie.

eine weiße, ringförmige Vase steht in der grünen Ladeneinrchtung

Henrike Naumann spürt der Frage nach, wie die Gestaltung von Räumen und Objekten unbewusst wirkt. Wie Orte aussehen, in denen bestimmte Empfindungen und Gedanken materialisiert sind. Oder, andersherum gefragt, wie sich in einer datierbaren und lokalisierbaren Formgebung von Umgebungen oder Objekten gesellschaftliche Strukturen widerspiegeln und so Geschichte transportiert wird.

Fensterloser Raum mit verschiedenen türkisfarbenen Möbeln

Die Überführung eines ehemals betriebenen Ladens in einen anderen Kontext macht zugleich deutlich, dass ein Geschäft nicht nur ein Ort ist, sondern einen bestimmten gesellschaftlichen Platz einnimmt und symbolisiert. So mag das Blumengeschäft auch daran erinnern, dass alle neun Opfer der rassistischen Morde des NSU-Komplexes als selbstständige Unternehmer tätig waren und in ihren Geschäften erschossen wurden.

Der Titel der Arbeit zitiert einen aus den USA stammenden, aber auch in Deutschland gebräuchlichen rechtsideologischen Zahlencode. Da der Kerngedanke in vierzehn Wörtern ausgedrückt ist („We must secure the existence of our people and a future for white children“), wird diese Zahl in verschiedenen neo-faschistischen Kontexten als Formel verwendet, unter Anderem im Bekennervideo des ,Nationalsozialistischen Untergrund‘ (NSU). Mit ihrer Videoarbeit untersucht Henrike Naumann, wie Ideologeme, also Vorstellungswerte, in Worten oder Zahlen codiert und verschlüsselt als formale Elemente mittels analoger und digitaler Kommunikation oder Design transportiert und verbreitet werden.

Bedrückend wirkt auch die Installation „14 Words“, die Henrike Naumann eigens für die Ausstellung entworfen hat. Es handelt sich um einen leeren Blumenladen mit schauerlichem Resopalmobiliar aus den Neunzigern, der Originaleinrichtung eines Geschäftes im sächsischen Neugersdorf. Der Titel zitiert einen Code aus rechtsextremistischen Kreisen, der auch vom NSU verwendet wurde. Was die Einrichtung mit rechtem Gedankengut zu tun hat? Womöglich nichts. Aber wer weiß? Bei Naumann steht die abwaschbare Schäbigkeit, die aus einer Zeit stammt, als man im Osten Deutschlands die eigenen Möbel gegen billigen Ramsch aus den BRD-Möbelmärkten eintauschte, symbolisch für ein verqueres Denken. Sie spürt der Frage nach, wie die Gestaltung von Räumen und Dingen auf unser Empfinden und Handeln wirkt. Und ist damit ganz dicht bei Cady Noland.

Sandra Danicke: Kunst für die Gegenwart, in: Frankfurter Rundschau 10/2018

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