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Was würde Henrike jetzt tun?

Meine liebe Heque

Ich trage die Kette, die du mir aus Haiti mitgebracht hast. Vor ein paar Tagen beim Security-Check in Sharm El Sheikh musste ich erklären, dass das ein altes Stück Autoreifen ist, das ich da um den Hals trage. In meiner Wohnung sind noch einige Artefakte und Möbel, die aus der Produktion AUFBAU OST in der Galerie Wedding damals “übrig geblieben” sind. Ein Schemel, ein Tritt, ein seltsames Weinglas.

So richtig kann ich noch nicht begreifen, dass du jetzt nicht mehr da bist. Aber wenn ich den Kopf hebe, sehe ich in meinem Raum ein Zitat von Thomas Bernhard: „Es ist alles lächerlich, wenn man an den Tod denkt.“ Wieso steht das da? Ich umgebe mich schon mein ganzes Leben mit dystopischen Endzeitfantasien, vermutlich um mich daran zu gewöhnen, dass der Tod zum Leben dazugehört. Dein Tod wird eine bleibende Kerbe bei mir hinterlassen, das fühle ich ganz tief.

Zuletzt haben wir über Schlingensief geredet und dann auch über Herrndorf. Du hast gesagt, wie wichtig es ist, dort hinzugehen, wo es unbequem ist. Du warst und wirst immer eine große Inspiration und Motivation für mich sein.

Eine gute Freundin und wichtige Ratgeberin in meinem Leben wird nun fehlen. Ich werde jetzt allein weiter schwimmen und mich oft fragen: Was würde Henrike jetzt tun?